Kre­ma­to­ri­um Gotha

Wis­sens­wer­tes zu Krematorien…

Ein Kre­ma­to­ri­um (zu lat. crema­re, dt. ver­bren­nen) ist eine Anla­ge zur Kre­ma­ti­on, der Ver­bren­nung (auch Ein­äsche­rung oder Ver­aschung) von Lei­chen anstel­le einer Erd­be­stat­tung oder ande­rer Arten der Bestat­tung. Der Vor­gang einer Bestat­tung unter Ein­be­zie­hung der Kre­ma­ti­on wird als Feu­er­be­stat­tung bezeichnet.

Geschich­te in Mitteleuropa

Die Geschich­te der Ein­äsche­rung von Ver­stor­be­nen reicht bis in die Stein­zeit zurück. Die Band­ke­ra­mi­ker in Euro­pa ver­voll­komm­ne­ten die Kunst der Lei­chen­ver­bren­nung. In die gebrann­ten kera­mi­schen Urnen wur­de der Lei­chen­brand von Fuß bis Kopf ein­ge­schich­tet. Sehr oft wur­den die Urnen in Gewän­der geklei­det, die in der Bron­ze­zeit mit Bron­ze­na­deln ver­ziert waren. In Mit­tel­eu­ro­pa war mit der Aus­brei­tung des Chris­ten­tums der Brauch der Lei­chen­ver­bren­nung suk­zes­siv ver­schwun­den. Mit dem Anwach­sen der Groß­städ­te wur­de vie­ler­orts der Platz auf den Fried­hö­fen knapp. Die Ent­wick­lung erlaub­te es im 19. Jahr­hun­dert erst­mals, die Ein­äsche­rung tech­nisch abzu­wi­ckeln. In der zwei­ten Hälf­te des 19. Jahr­hun­derts ent­stan­den Feu­er­be­stat­tungs­ver­ei­ne. Die Kre­ma­ti­on wur­de zum Gegen­stand kon­tro­ver­ser öffent­li­cher Debatten.

In Euro­pa fand die ers­te Feu­er­be­stat­tung der Neu­zeit im Jah­re 1752 auf Schloss Roß­wald in Öster­­rei­chisch-Schle­­si­en statt. Die Gemah­lin des Gra­fen Albert Joseph von Hoditz wur­de auf einem Schei­ter­hau­fen eingeäschert.

Ent­wick­lung

  • 1879 wur­de auf Initia­ti­ve des Uro­lo­gen Hen­ry Thomp­son das ers­te Kre­ma­to­ri­um Eng­lands eingerichtet:
  • In der Schweiz wur­de erst­mals 1889 auf dem Fried­hof Sihl­feld in Zürich ein Kre­ma­to­ri­um in Betrieb genom­men. Dabei wur­de auf bau­li­che Aus­schmü­ckun­gen geach­tet, um den Toten Respekt zu erwei­sen. Etwa 10 Jah­re danach folg­te das zwei­te Schwei­zer Kre­ma­to­ri­um in Basel. 1914 gab es in der Schweiz schon 12 Kre­ma­to­ri­en. 1916 wur­de der Schwei­ze­ri­sche Ver­band für Feu­er­be­stat­tung gegrün­det, der sich wäh­rend der ers­ten Jahr­zehn­ten beson­ders mit Hygie­ne und Ethik beschäf­tig­te, heu­te jedoch mehr mit Betriebs­wirt­schaft und Öko­lo­gie. Ivo Zempp lis­tet (im Inhalts­ver­zeich­nis) für 1889 bis 2010 37 Kre­ma­to­ri­en in der Schweiz, auf 5 Städ­te ent­fal­len dabei je 2 Stät­ten und auf Zürich 3.
  • 1889 ent­stand in Paris ein Krematorium.
  • 1891 (13 Jah­re nach Inbe­trieb­nah­me des Gotha­er Kre­ma­to­ri­ums) ging auf dem Berg­fried­hof Hei­del­berg das zwei­te deut­sche Kre­ma­to­ri­um in Hei­del­berg in Betrieb und ein Jahr spä­ter in Ham­burg das drit­te. In Offen­bach wur­de auf dem Fried­hof Fried­hof­stra­ße 21 eines der ers­ten Kre­ma­to­ri­en (1891–1892) errich­tet. 1910 waren mehr als 20 Kre­ma­to­ri­en in Deutsch­land in Betrieb. Das neo­klas­si­zis­ti­sche Gotha­er Kre­ma­to­ri­um von 1878 erin­ner­te in sei­ner For­men­spra­che noch an anti­ke Tem­pel. Die nach­fol­gen­den Kre­ma­to­ri­en waren wegen reli­giö­ser Beden­ken gegen die Feu­er­be­stat­tung zumeist in ori­en­ta­li­schem Bau­stil gehal­ten. Erst 1903 ent­stand auf dem Haupt­fried­hof Karls­ru­he ein Kre­ma­to­ri­um im Erschei­nungs­bild eines mit­tel­eu­ro­päi­schen Sakral­baus. Durch das Feu­er­be­stat­tungs­ge­setz von 1934 wur­de in Deutsch­land bei Fried­hofs­kre­ma­to­ri­en die Ein­zel­ver­bren­nung und getrenn­te Asche­samm­lung vorgeschrieben.
  • Im katho­lisch gepräg­ten Öster­reich wur­de gegen den Wider­stand der Kir­che das ers­te Kre­ma­to­ri­um erst 1922 am Wie­ner Zen­tral­fried­hof eröffnet.

Im Jahr 1874 wur­de die ers­te Ein­äsche­rung auf dem Gebiet des heu­ti­gen Deutsch­land voll­zo­gen. Der Medi­zi­ner Fried­rich Küchen­meis­ter war ein Ver­fech­ter der Feu­er­be­stat­tung, da er in den Fäu­l­­nis- und Ver­we­sungs­ga­sen, die bei einer Erd­be­stat­tung ent­ste­hen, die Gefahr der Boden­ver­gif­tung sah. Er grün­de­te 1873 in Dres­den den Ver­ein Die Urne – Ver­ein für facul­ta­ti­ve Lei­chen­ver­bren­nung. Gemein­sam mit dem Leip­zi­ger Poli­zei­arzt Carl Reclam gewann er den Inge­nieur Fried­rich Sie­mens dafür, in sei­ner Glas­fa­brik auf der Frei­ber­ger Stra­ße einen Ofen für die Lei­chen­ver­bren­nun­gen zu ent­wi­ckeln. So fand am 9. Okto­ber 1874 in Dres­den in dem von Sie­mens ent­wi­ckel­ten Rege­ne­ra­ti­ons­ofen (im dama­li­gen Sie­­mens-Glas­­werk Dres­den) die welt­weit ers­te Ein­äsche­rung in geschlos­se­nem Feu­er statt, wovon Küchen­meis­ter unver­züg­lich in der Zeit­schrift Deut­sche Kli­nik berich­te­te. Etwas von die­ser Asche wird im Kre­ma­to­ri­um Mei­ßen bzw. im Stadt­ar­chiv Dres­den auf­be­wahrt. Die Tote war kei­ne Deut­sche, son­dern die Eng­län­de­rin Kathe­ri­ne Dil­ke (1842–1874) ali­as Lady D., die die­se Form der Bestat­tung in ihrem Tes­ta­ment fest­ge­legt hatte.

Das ers­te euro­päi­sche Kre­ma­to­ri­um wur­de am 22. Janu­ar 1876 auf dem Cimi­te­ro Monu­men­ta­le in Mai­land ein­ge­weiht. Initia­tor war der Schwei­zer Sei­den­in­dus­tri­el­le Alber­to Kel­ler, ent­wor­fen wur­de es von dem Archi­tek­ten Celes­te Clericetti.

Kre­ma­to­ri­um Gotha

Das ers­te Kre­ma­to­ri­um im deutsch­spra­chi­gen Raum wur­de 1878 von Juli­us Ber­tuch und Carl Hein­rich Stier auf dem Haupt­fried­hof Gotha erbaut. Die Thü­rin­ger Resi­denz­stadt im Her­zog­tum Sach­­sen-Coburg-Gotha galt als libe­ral und fort­schritt­lich, so gab es dort von­sei­ten des Her­zogs Ernst II. und der Lan­des­kir­che weni­ger Wider­stand bei der Ein­füh­rung der als sehr modern gel­ten­den Feu­er­be­stat­tung als in ande­ren deut­schen Kleinstaaten.

Die ers­te Ein­äsche­rung im Kre­ma­to­ri­um Gotha fand am 10. Dezem­ber 1878 statt. Es han­del­te sich um den Erbau­er des Kre­ma­to­ri­ums, den Bau­in­ge­nieur Carl Hein­rich Stier. Er war bereits ein Jahr vor der Fer­tig­stel­lung ver­stor­ben. So ver­füg­te er in sei­nem Tes­ta­ment die Ein­äsche­rung sei­nes Leich­nams nach Inbe­trieb­nah­me des Kre­ma­to­ri­ums. Sei­ne Lei­che war daher in einem ver­sie­gel­ten Metall­sarg nur vor­läu­fig bei­gesetzt wor­den. Stier war in Gotha der ein­zi­ge, für den Bestat­tun­gen nach bei­den Arten stattfanden.

1879 fan­den 17 wei­te­re Ein­äsche­run­gen statt. In den fol­gen­den Jah­ren wur­den immer mehr Tote aus allen Tei­len Deutsch­lands ins Gotha­er Kre­ma­to­ri­um gebracht. Bis zum 10. Dezem­ber 1882 wur­den 100 Ver­bren­nun­gen vor­ge­nom­men: Von den Toten waren bis dahin 70 evan­ge­li­scher, zwölf katho­li­scher, fünf jüdi­scher Kon­fes­si­ons­zu­ge­hö­rig­keit, für wei­te­re 13 fehl­te eine Anga­be zur Konfession.

Die Kre­ma­to­ri­en in den natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Vernichtungslagern

Zur Zeit des Natio­nal­so­zia­lis­mus wur­den 1940 bis 1944 in einer Viel­zahl von Kon­zen­tra­ti­ons­la­gern Kre­ma­to­ri­en erbaut oder erwei­tert, um die Lei­chen der Häft­lin­ge zu ver­bren­nen. In den Kon­zen­tra­ti­ons­la­gern Aus­ch­­witz-Bir­­ken­auund Maj­da­nek waren sie Teil des indus­tri­el­len Mas­sen­mor­des. In den Ver­nich­tungs­la­gern Bel­zec, Kulm­hof, Maly Trosti­nez, Sobi­bor und Treb­lin­ka waren kei­ne Kre­ma­to­ri­en instal­liert. In den übri­gen Kon­zen­tra­ti­ons­la­gern hat­ten die Kre­ma­to­ri­en unter ande­rem den Zweck, die Aus­brei­tung von Seu­chen zu ver­hin­dern und das Lager­per­so­nal und die umge­ben­den Gemein­den zu schützen.

In den deut­schen Kon­zen­tra­ti­ons­la­gern wur­de min­des­tens 25 Öfen mit 76 Muf­feln von der Fir­ma Topf & Söh­ne, und 39 Ein­zel­muf­fel­öfen der Fir­ma Kori instal­liert. Die größ­te Kre­ma­to­ri­ums­ka­pa­zi­tät hat­te das Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Ausch­witz mit drei Dop­pel­muf­fel­öfen im Stamm­la­ger und zehn Drei­muf­fel­öfen sowie zwei Acht­muf­fel­öfen im KZ A‑Birkenau. In Ausch­witz hat die Zen­tral­bau­lei­tung der SS die im Betrieb fest­ge­stell­te Leis­tungs­fä­hig­keit mit 340 Lei­chen für Kre­ma­to­ri­um I (drei Dop­pel­muf­fel­öfen), je 1440 Lei­chen für Kre­ma­to­ri­um II und III (je fünf Drei­muf­fel­öfen) und je 768 Lei­chen für Kre­ma­to­ri­um IV und V (je ein Acht­muf­fel­ofen) in einer 24-Stun­­­den-Schicht bezif­fert. Dies ergibt rein rech­ne­risch 4756 ver­brann­te Lei­chen inner­halb von 24 Stun­den und 1,7 Mil­lio­nen bei einem theo­re­ti­schen Betrieb über ein gan­zes Jahr. Laut den Aus­sa­gen meh­re­rer Zeu­gen wur­den zeit­wei­se noch höhe­re Wer­te erreicht. Um sol­che hohen Leis­tun­gen zu errei­chen, wur­den meh­re­re Lei­chen gleich­zei­tig ver­brannt. Dabei ver­asch­ten die Kno­chen der Lei­chen nicht kom­plett und tech­ni­sche Ein­rich­tun­gen wie Druck­luft­ge­blä­se wur­den ein­ge­setzt. Die Topf-Kre­­ma­­to­­ri­en hat­ten zur Ener­gie­rück­ge­win­nung einen Reku­pera­tor, der die Abwär­me für die Erwär­mung der Luft­zu­fuhr des Ofens nutz­te. Somit konn­te der Koks­ver­brauch im Dau­er­be­trieb mini­miert werden.

Auf Grund der Beson­der­hei­ten kön­nen Betriebs­da­ten von Fried­hofs­kre­ma­to­ri­en zur Bestim­mung der Leis­tungs­fä­hig­keit der KZ-Kre­­ma­­to­­ri­en nicht her­an­ge­zo­gen wer­den. Die tech­ni­sche Aus­stat­tung und die Betriebs­wei­se wei­sen zu star­ke Dif­fe­ren­zen auf, und so kann nicht auf die Betriebs­da­ten der Kon­­zen­­tra­­ti­on­s­la­­ger-Kre­­ma­­to­­ri­en rück­ge­schlos­sen wer­den. Da Lei­chen auch in Mas­sen­grä­bern besei­tigt wur­den, erlau­ben die Kre­mie­rungs­ka­pa­zi­tä­ten der Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger nur Rück­schlüs­se auf die Min­dest­zahl der Holo­­caust-Opfer. In den Ver­nich­tungs­la­gern der Akti­on Rein­hardt und im Fall des Ver­nich­tungs­la­gers Kulm­hof wur­den kei­ne Kre­ma­to­ri­en zur Besei­ti­gung der Toten ein­ge­setzt; die­se wur­den statt­des­sen in Mas­sen­grä­bern ver­scharrt und ab 1942 im Rah­men der Son­der­ak­ti­on 1005 in offe­nen Gru­ben ver­brannt: Kre­ma­to­ri­en der Fir­ma Kori kamen hin­ge­gen bei der Akti­on T4 zum Ein­satz sowie (die Fra­ge des Her­stel­lers ist unge­klärt) beim Ein­satz R im KZ Risie­ra di San Sab­ba in Triest.

Moder­ne Krematorien

Der Begriff Feu­er­be­stat­tung gilt für das Bei­set­zen der Asche nach der Ver­bren­nung in einer Urne. Einer See­be­stat­tung geht auf jeden Fall die Kre­ma­ti­on vor­aus. Als Urne wird eine durch Was­ser zer­setz­li­che, schnell­auf­lö­sen­de „See­be­stat­tungs­ur­ne“ ver­wen­det und dem Meer über­ge­ben, teil­wei­se wird die Asche direkt ins Meer gebracht. Auf Grund der Bestat­tungs­ge­wohn­hei­ten nimmt der Anteil von Ein­äsche­run­gen Ver­stor­be­ner in Deutsch­land zu. 2008 lag der Anteil an Feu­er­be­stat­tun­gen in Ber­lin bei 78 %. Der Bun­des­ver­band der Deut­schen Bestat­ter gibt für Deutsch­land für 2016 ein Ver­hält­nis von 64 Pro­zent Feu­er­be­stat­tun­gen zu 36 Pro­zent Erd­be­stat­tun­gen an. Nach einer Stu­die der RAL-Güte­­ge­­mein­­schaft Feu­er­be­stat­tungs­an­la­gen e.V. betrug der Anteil der Feu­er­be­stat­tun­gen im Jahr 2016 sogar 69 Pro­zent. 1997 lag der Anteil in Deutsch­land noch bei 38 Prozent.

Im Zusam­men­hang mit der star­ken Zunah­me des Anteils über­ge­wich­ti­ger Men­schen in der Schwei­zer Bevöl­ke­rung wur­den 2012 in Basel und St. Gal­len zwei Kre­ma­to­ri­en geplant, die Lei­chen mit mehr als 200 kg Gewicht auf­neh­men kön­nen. In der Schweiz wur­den Sär­ge in Über­grös­se nur noch in einem seit 2009 in Bern in Betrieb genom­me­nen extra gro­ßen Ofen ange­nom­men. Am 18. April 2012 war in einem Kre­ma­to­ri­um in See­wen im Kan­ton Schwyz ein Feu­er aus­ge­bro­chen: auf­grund des hohen Fett­ge­halts über­ge­wich­ti­ger Leich­na­me kommt es bei deren Ver­bren­nung zu extrem hohen Tem­pe­ra­tu­ren, was zu einer Über­be­an­spru­chung des jewei­li­gen Ofens füh­ren kann.

Tech­nik von Feuerbestattungsanlagen

Es gibt meh­re­re Bau­for­men von Feu­er­be­stat­tungs­an­la­gen. Im Flach­bet­to­fen blei­ben Sarg und Leich­nam wäh­rend der Ein­äsche­rung in der Haupt­brenn­kam­mer (Muf­fel) lie­gen. Wenn der Ein­äsche­rungs­vor­gang abge­schlos­sen ist, wer­den die Res­te in die Aus­brenn­kam­mer ver­bracht und spä­ter in die Aus­kühl­zo­ne des Ofens. Im Eta­gen­ofen gibt es zwei über­ein­an­der­lie­gen­de Brenn­kam­mern (Ober­ofen und Unter­ofen), die durch eine dreh­ba­re Stahl­plat­te von­ein­an­der getrennt sind. Der Sarg wird in den Ober­ofen ein­ge­fah­ren, in dem in 60–90 Minu­ten die Haupt­ver­bren­nung statt­fin­det. Die Aus­mi­ne­ra­li­sie­rung der Gebei­ne erfolgt im Unter­ofen. Wäh­rend die­ser Zeit kann im Ober­ofen bereits die nächs­te Ver­bren­nung stattfinden.
In moder­nen erd­gas­be­feu­er­ten Kre­ma­to­ri­en dau­ert die Ver­bren­nung je nach Tech­nik etwa eine Stun­de. Nach der VDI-Rich­t­­li­­nie 3891 soll die Tem­pe­ra­tur in der Haupt­brenn­kam­mer wenigs­tens 650 °C betra­gen. Die Ver­ord­nung über Anla­gen zur Feu­er­be­stat­tung (27. BIm­SchV) schreibt in Deutsch­land für die Nach- bzw. Aus­brenn­kam­mer 850 °C vor. Die durch­schnitt­li­che Kapa­zi­tät eines Ver­bren­nungs­ofens beträgt – auch mit Rück­sicht auf die Arbeits­schutz­be­stim­mun­gen – fünf bis 14 Ein­äsche­run­gen je Arbeits­tag. Durch die Pau­sen an Wochen­en­den küh­len die Öfen um 400 bis 500 Grad, über Nacht um 200 Grad aus. Um die nöti­ge Tem­pe­ra­tur zu errei­chen, sind nach Wochen­en­den etwa 300 m³ und am Mor­gen 100 m³ Erd­gas erfor­der­lich. Der Ver­brauch pro Ein­äsche­rung beträgt so 17,5 m³ Erd­gas im Mit­tel. Durch die For­de­run­gen des Umwelt­schut­zes wer­den die Abga­se der Kre­ma­to­ri­en durch Küh­len in Wär­me­tau­schern, Fil­tern und kata­ly­ti­sche Behand­lung weit­ge­hend frei von Fein­staub, Dioxi­nen und Fura­nen. Hin­zu kom­men Vor­schrif­ten für die Ver­wen­dung ent­spre­chen­der umwelt­freund­li­cher Mate­ria­li­en für die Beklei­dung und den Sarg der ver­stor­be­nen Per­son. So arbei­ten Kre­ma­to­ri­en (bei­spiels­wei­se gemäß der VDI-Rich­t­­li­­nie 3891) unter Wah­rung der Pie­tät umwelt­ver­träg­lich und ener­ge­tisch opti­miert. Die Hit­ze ent­steht vor­wie­gend durch die Ver­bren­nung von Erdgas.

Gesetz­li­che Vorgaben

Alle Kre­ma­to­ri­en in Deutsch­land unter­lie­gen der 27. BIm­SchV (Bun­­­des-Immis­­si­on­s­­schut­z­­ver­­or­d­­nung) und sind mit moder­nen Abgas­rei­ni­gungs­an­la­gen aus­ge­rüs­tet. Die Abga­se unter­lie­gen den immis­si­ons­schutz­recht­li­chen Grenz­wer­ten. Die ethi­schen Grund­re­geln für Kre­ma­to­ri­en sind in der DIN EN 15017 fest­ge­schrie­ben. Damit soll der wür­di­ge und respekt­vol­le Umgang mit Ver­stor­be­nen in den Kre­ma­to­ri­en erreicht wer­den. Nega­ti­ve Ein­zel­fäl­le wie Müll­ver­bren­nun­gen und Zahn­gold­ent­nah­me sol­len dadurch ver­hin­dert wer­den. Die­se ethi­schen Rege­lun­gen sind gesetz­lich nicht ver­pflich­tend und tra­gen emp­feh­len­den Cha­rak­ter. Zur Ein­hal­tung der Güte- und Prüf­be­stim­mun­gen des Deut­schen Insti­tuts für Güte­si­che­rung und Kenn­zeich­nung (RAL) e. V. und des Bun­des­ver­bands Deut­scher Bestat­ter, der das Mar­ken­zei­chen Kre­ma­to­ri­um ver­gibt, müs­sen sich die pri­va­ten und öffent­li­chen Kre­ma­to­ri­en­be­trei­ber bereit erklä­ren. Zudem wird vom Arbeits­kreis kom­mu­na­le Kre­ma­to­ri­en im Deut­schen Städ­te­tag ein Sie­gel „Kon­trol­lier­tes Kre­ma­to­ri­um“ ver­ge­ben. Die VDI-Rich­t­­li­­nie 3891 „Emis­si­ons­min­de­rung – Anla­gen zur Human­kre­ma­ti­on“ ent­hält Anlei­tun­gen und Emp­feh­lun­gen zum Umwelt­schutz, ins­be­son­de­re zur Rei­ni­gung der Abga­se. Zu den zu min­dern­den Abgas­kom­po­nen­ten gehö­ren neben Koh­len­stoff­mon­oxid, Gesamt­koh­len­stoff und Gesamt­staub auch Queck­sil­ber sowie Poly­chlo­rier­te Diben­zo­di­oxi­ne und Diben­zo­f­u­ra­ne. Zur Besei­ti­gung letz­te­rer wer­den ins­be­son­de­re Adsor­ben­zi­en und kata­ly­tisch wirk­sa­me Ober­flä­chen­fil­ter eingesetzt.

In eini­gen Län­dern ist es durch­aus üblich, dass die Abwär­me bei der Lei­chen­ver­bren­nung auch zur Gewin­nung der nöti­gen Eigen­ener­gie des Kre­ma­to­ri­ums ver­wen­det wird.

Anzahl

Mit Stand 16. März 2017 lis­ten die jewei­li­gen Quellen:

  • 160 Kre­ma­to­ri­en in Deutschland
  • 10 Kre­ma­to­ri­en (oder 12 Orte mit Kre­ma­to­ri­en) in Österreich
  • 25 Kre­ma­to­ri­en in der Schweiz.

Sei­te „Kre­ma­to­ri­um“. In: Wiki­pe­dia, Die freie Enzy­klo­pä­die. Bear­bei­tungs­stand: 30. Okto­ber 2018, 21:09 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Krematorium&oldid=182311270 (Abge­ru­fen: 6. Novem­ber 2018, 15:27 UTC)

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