Webseite des Krematoriums https://www.friedhof-in-potsdam.de/krematorium/historie-des-krematoriums/
Interessante Informationen:

Handschriftliche Aufzeichnungen vom Verein für Feuerbestattung in Potsdam e.V.

Krematorium Potsdam

„Verein für Feuerbestattung in Potsdam e. V.“ beantragt „beschleunigte Erbauung eines Krematoriums“.
Verein schreibt: „Vor reichlich 12 Jahren beschlossen Magistrat und Stadtverordneten Versammlung auf Antrag des Vereins für Feuerbestattung die Erbauung eines Krematoriums auf dem riesigen Friedhof. Der Bauplan wurde entworfen und von der zuständigen Behörde genehmigt. Inzwischen brach der Weltkrieg aus. Auch der Architekt, welcher den Bauplan zum Krematorium aufgestellt hatte, wurde zur Fahne einberufen und weil man wünschte, dass der Schöpfer des Bauplanes auch den Bau selbst ausführen sollte, so verzögerte sich die Bauausführung. Der betreffende Architekt erlitt den Heldentod.“
„Für den Neubau eines Krematoriums sind in der 11 ½ Millionen Reichsmark Anleihe durch Gemeindebeschluss vom 8./17. Dezember 1926 – 450.000 Reichsmark bereit gestellt.“ 250.000 RM werden bewilligt (19.04.1929).
Erläuterungsbericht vom 28.05.1929 (Stadtbauamt – Hochbau – Fischer) „Über eine Freitreppe gelangt man durch einen Vorraum in die Trauerhalle an deren Südwestseite, dem Eingang gegenüber, der Altar in einer kleinen ausgebauten Apsis errichtet wird. Die Halle erhält jetzt 170 Sitzplätze.“
Rechtwinklig zur Achse der Trauerhalle nach Nordwesten wird das Krematorium in Höhe des stehen gebliebenen Kellergeschosses der alten Trauerhalle angebaut. An der Nordostseite ist dem Krematorium aus architektonischen Gründen ein 2 Meter breiter Laubengang mit Spitzbogenöffnungen vorgelagert, welcher bei Regenwetter Begräbnisteilnehmern und Friedhofsbesuchern trockenen Unterstand gewährt.
Technische Räume. „Die Belichtung des Krematoriums erfolgt durch Luxfer – Prismen – Oberlichte.“
„Sämtliche Türen und Fenster werden in neuzeitlicher Stahlkonstruktion hergestellt.“ „Der Fußboden der Trauerhalle wird mit Solnhofer Platten belegt, die Nebenräume und die Empore erhalten Linoleumbelag.“ „Die Gebäude werden außen mit Terranova geputzt. Der Haupteingang wird mit Steinputz geputzt, steinmetzmäßig bearbeitet und erhält ornamentalen Schmuck nach dem Entwurf eines Bildhauers.“
Gutachten von F. Hellwig (Magistratsoberbaurat) 16.08.1929: „Die Gesamtzuordnung passt sich in sehr zweckmäßiger Weise den örtlichen Verhältnissen an. Die äußere Gestaltung entspricht neuzeitlichen Formempfinden, sie ist schlicht und zweckentsprechend und durchaus würdig. Besonders glücklich erscheint die Vereinigung des Schornsteines der Einäscherungsanlage mit den Abzugsschächten der Entlüftungsanlage zu einem turmartigen Baukörper, weil hierdurch dem Bau das Fabrikmäßige genommen wird, das ein freistehender runter Schornstein stets mit sich bringt.“ Da Volksblatt 17.03.1930.
„Die ganze Anlage ist in ruhigen sachlichen Formen gehalten, zeigt eine wohltuende Gliederung und lässt besonders durch die gotischen Bogen und schmalen hohen Spitzbogenfenster auf den ernsten Charakter schließen.“ „Man steigt über eine breite Granittreppe zu dem gotischen Portal auf, dessen Bogendreieck eine allegorische Bildhauerei aus Kalkstein zeigt mit dem Motto: Der Kreislauf alles Lebens ist gottlicher Beschluss.“ „ Die äußere Gestaltung weist neuzeitliche Form mit gotischen Anklängen auf.“ Angestrebt wurde Schlichtheit und Würde. Dem Blickfang und einem Schmuck bildet das Hauptportal aus fränkischem Muschelkalk mit Bildhauerarbeit. Die Darstellung über der Eingangstür, welche in einem Spitzbogen hinenkomponiert ist, versinnbildlicht die Darstellung des Ausspruchs Gallileis: „Der ewige Kreislauf ist göttlicher Beschluss.“ Die Gebäude sind durch flache Dächer massiv abgedeckt. Diese sind durch ein Kunststeingesims eingefasst. Die Seitenfronten des Hauptbaues werden durch hohe spitzbogenförmige Fenster gegliedert. Der Anbau des Krematoriums erhält sein Licht durch Oberlichtfenster. Die dadurch entstandene fensterlose Wand an der Vorderseite wird durch einen Laubengang mit spitzbogenförmigen Öffnungen verdeckt.“ „Sämtliche Fronten haben wetterfesten Putz in dunkelgelber Farbe erhalten. Obergeschoss: Trauerhalle und Nebenräume. „Der Altar mit Stufenanlage ist aus gelblichen römischen Travertin hergestellt. Die Rückwand hinter dem Altar in ihrer ganzen Ausdehnung bedeckt ein Glasmosaikgemälde, welches einen singenden Engel auf Goldgrund darstellt. Licht erhält die Halle durch blaues Antikglas in Bleifassungen.“ „ Die Decke gegliedert durch Balken, ist aus Holz hergestellt und braun lasiert. Die Wände sind gelb gestrichen und blau abgesetzt.“ Untergeschoss, Büro, v „ Der Fußboden in allen Räumen ist in Terrazzo oder Zement ausgeführt.“ Das Krematorium wurde am 10.06.1930 fertiggestellt.

Baukosten: 263.801,20 RM
Bauzeit: 15.10. bis 15.12.1929 und 01.04. bis 30.06.1930